Rhein-Pegel auf Rekordtief: Schiffe fahren nur noch mit wenig Ladung
Rhein-Pegel auf Rekordtief: Schiffe mit wenig Ladung

Am Sonntagmittag meldete die Messstation in Duisburg-Ruhrort einen Pegelstand von nur noch 149 Zentimetern – der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen. Der bisherige Tiefstand vom 17. August 2022 wurde damit um zwei Zentimeter unterboten. Auch in Düsseldorf fiel das Rheinwasser auf 21 Zentimeter und markierte ein neues Rekordtief, ebenfalls zwei Zentimeter unter dem bisherigen Minimum. Bereits am Samstag war in Köln ein historischer Tiefststand gemessen worden.

Damit wiederholen sich die Negativrekorde des Jahres 2022 – und werden diesmal sogar unterschritten. Der Rhein führt so wenig Wasser, dass Menschen vielerorts durch trockengefallene Flussbereiche laufen können, in denen sonst eine heftige Strömung für Lebensgefahr sorgt. Die niedrigen Pegelstände haben aber vor allem dramatische Folgen für die Schifffahrt auf einer der wichtigsten Wasserstraßen Deutschlands.

Frachtschiffe fahren nur noch mit einem Fünftel Ladung

Die offizielle Fahrrinne ist zwar tiefer als der gemessene Pegel, dennoch können viele Frachtschiffe den Rhein nicht mehr voll beladen befahren. Markus Neumann, Außenbezirksleiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Rhein, erklärt, dass einige Schiffe nur noch etwa ein Fünftel der üblichen Ladung aufnehmen. „Für die großen Tankschiffe lohnt sich das eigentlich gar nicht mehr“, sagt Neumann.

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Die Folgen sind weitreichend: Binnenschiffer müssen ihre Touren anpassen, Lieferzeiten verlängern sich, und die Transportkosten steigen. Da Unternehmen entlang des Rheins regelmäßig Rohstoffe und Vorprodukte per Schiff erhalten, trifft die Trockenheit die gesamte Wirtschaft – von der Chemieindustrie bis zur Energieversorgung.

Ursache: Monatelange Trockenheit und fehlender Regen

Als Ursache für die Rekordtiefs nennt Neumann die lang anhaltende Trockenheit und den ausbleibenden Regen der vergangenen Monate. „Das führt dazu, dass der Rhein und andere Flüsse nicht genug Wasser haben“, erläutert der Fachmann vom Wasser- und Schifffahrtsamt. Eine spürbare Besserung erwartet er in den nächsten Wochen nicht.

Die Trockenheit setzt nicht nur dem Rhein zu. Auch Nebenflüsse und andere Gewässer in Nordrhein-Westfalen führen wenig Wasser. Die niedrigen Pegelstände geben außerdem den Blick auf Uferzonen und Objekte frei, die sonst unter Wasser liegen – für viele Anwohner ein faszinierendes, für die Schifffahrt aber ein alarmierendes Bild.

NRW-Verkehrsminister fordert Bundesmittel für Fahrrinnen-Ausbau

Angesichts der Lage macht NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (57, Grüne) Druck auf die Bundesregierung. Er fordert Geld für den weiteren Ausbau der Fahrrinne zwischen Duisburg und Köln. Nach Angaben des Ministeriums ist der zweite Abschnitt zwischen Krefeld und Düsseldorf bereits baureif, kann aber nicht umgesetzt werden, weil die Bundesregierung 2025 die Mittel gestrichen hat.

Der Ausbau soll dazu beitragen, dass Schiffe bei niedrigem Wasserstand mit größerer Ladung fahren können, ohne auf Grund zu laufen. Damit ließen sich auch künftige Niedrigwasserperioden besser überbrücken – ein zentrales Anliegen der Binnenschifffahrt, die in den vergangenen Jahren immer häufiger mit sinkenden Pegeln zu kämpfen hatte.

Krischer will nationale Taskforce einrichten

Vor der Verkehrsministerkonferenz am Donnerstag fordert der Grünen-Politiker ein entschlossenes Vorgehen von Bund und Ländern. „Wir brauchen kurzfristig eine nationale Taskforce für Maßnahmen, um die Transportlage zu verbessern“, sagt Krischer. Er will damit erreichen, dass die zuständigen Behörden ihre Anstrengungen bündeln und kurzfristige Lösungen entwickeln, um die Versorgung entlang des Rheins zu sichern.

Die Ministerkonferenz der Länderverkehrsminister dürfte sich intensiv mit dem Thema Niedrigwasser beschäftigen. Der Rhein ist eine der zentralen Logistikadern des Landes – fällt er länger aus oder ist nur eingeschränkt befahrbar, spüren das Verbraucher und Industrie unmittelbar.

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Passagierschifffahrt: Kölner Lichter mit deutlich weniger Schiffen

Auch die Passagierschifffahrt leidet unter dem Niedrigwasser. Beim Feuerwerksspektakel „Kölner Lichter“ beteiligten sich am Samstagabend deutlich weniger Schiffe an dem geplanten Konvoi, weil viele wegen der niedrigen Wasserstände nicht auslaufen konnten. Kurz vor Beginn der Veranstaltung fuhr sich zudem ein Hotelschiff bei Köln fest – ein weiterer Beleg für die angespannte Lage.

In Bonn hat die Autofähre zwischen Bad Godesberg und Niederdollendorf ihren Betrieb vollständig eingestellt. Die Fähre kann bei dem aktuellen Wasserstand nicht mehr sicher anlegen. Pendler und Anwohner müssen auf Brücken oder andere Verkehrsmittel ausweichen, was gerade im Berufsverkehr zu zusätzlichen Belastungen führt.

Die nächsten Wochen werden zeigen, ob sich die Lage entspannt. Ohne kräftigen Regen dürfte die Niedrigwasserperiode anhalten und die Pegelstände könnten weiter fallen – die Schifffahrt am Rhein bleibt dann in einer dauerhaften Ausnahmesituation.