Tod von Drogenboss El Mencho löst Gewaltwelle in Mexiko aus
Nach dem Tod des mexikanischen Drogenbosses Nemesio Oseguera Cervantes, bekannt als El Mencho, überziehen seine Anhänger das lateinamerikanische Land mit einer beispiellosen Welle der Gewalt. Knapp vier Monate vor dem Eröffnungsspiel der Fußballweltmeisterschaft in Mexiko-Stadt errichten sie in mehreren Bundesstaaten Straßensperren und greifen gezielt Geschäfte sowie Banken an. Bei der Festnahme von El Mencho und den anschließenden Kämpfen zwischen Sicherheitskräften und mutmaßlichen Mitgliedern des Drogenkartells Jalisco Nueva Generación (CJNG) kommen mindestens 74 Menschen ums Leben, darunter 25 Soldaten der Nationalgarde.
Das mächtige Drogenkartell Jalisco Nueva Generación
Das Cártel de Jalisco Nueva Generación gilt derzeit als die wohl mächtigste kriminelle Organisation in Mexiko. Die Gruppe wurde 2010 zunächst als bewaffneter Arm des Sinaloa-Kartells gegründet, machte sich dann selbstständig und breitete sich rasch aus. Das Kartell ist in zahlreiche illegale Aktivitäten verwickelt:
- Drogenhandel auf internationaler Ebene
- Schutzgelderpressung von Unternehmen
- Öl-Diebstahl aus staatlichen Pipelines
- Schleusung von Migranten in die USA
Droht eine lang anhaltende Gewaltphase in Mexiko?
Die Frage nach der Dauer der aktuellen Gewaltwelle ist schwer vorauszusagen. Am Tag nach der Tötung des Drogenbosses herrschte in Mexiko zunächst eine angespannte Ruhe. Gewalttätige Reaktionen auf die Festnahme oder den Tod von Drogenbossen sind in der mexikanischen Geschichte durchaus üblich. Bereits 2019 ließ die Regierung einen Sohn des Chefs des Sinaloa-Kartells nach seiner Verhaftung wieder frei, nachdem Mitglieder der Organisation tagelang Straßen blockiert und Sicherheitskräfte attackiert hatten.
Andererseits haben die kriminellen Banden in Mexiko eigentlich kein strategisches Interesse an einer direkten Konfrontation mit Militär und Polizei – ihre lukrativen Geschäfte laufen deutlich besser, wenn relative Ruhe im Land herrscht. Allerdings könnte es innerhalb des Kartells Jalisco Nueva Generación zu erbitterten Kämpfen um die Nachfolge von El Mencho kommen. Zudem könnten andere Verbrechersyndikate die vermeintliche Schwäche des CJNG für eigene Expansionspläne ausnutzen und so weitere Konflikte provozieren.
Die Rolle der USA bei der Festnahme von El Mencho
Die US-Regierung hat das Kartell Jalisco Nueva Generación offiziell als ausländische Terrororganisation eingestuft und hatte ein Kopfgeld von 15 Millionen US-Dollar (rund 12,7 Millionen Euro) auf El Mencho ausgesetzt. US-Präsident Donald Trump warf der mexikanischen Regierung zuletzt wiederholt vor, nicht genug gegen die Drogenkartelle zu unternehmen, und brachte sogar US-Militäreinsätze gegen die kriminellen Banden im Nachbarland ins Spiel. Diesen Vorschlag wies Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum entschlossen zurück.
Bei dem Einsatz zur Festnahme von El Mencho stützten sich die mexikanischen Soldaten maßgeblich auf Geheimdienstinformationen aus den USA, obwohl nur mexikanische Sicherheitskräfte direkt beteiligt waren. Mit dem Schlag gegen El Mencho hat Sheinbaum gezeigt, dass Zusammenarbeit und Informationsaustausch zu den von Trump gewünschten Ergebnissen führen können, analysiert David Mora von der International Crisis Group. Gleichzeitig demonstrierte sie, dass die mexikanischen Streitkräfte durchaus in der Lage sind, hochrangige Ziele auszuschalten.
Bedrohung für die Fußball-Weltmeisterschaft 2026
Das aktuelle Chaos knapp vier Monate vor Anpfiff der Weltmeisterschaft lässt die Bedenken über Mexiko als WM-Ausrichter deutlich wachsen. Das Land richtet ab Juni gemeinsam mit den USA und Kanada die Fußballweltmeisterschaft aus. In Mexiko-Stadt, Guadalajara und Monterrey werden insgesamt 13 Spiele ausgetragen. Angesichts der schweren Kämpfe wurden bereits am Sonntag eine Reihe von nationalen Fußballspielen abgesagt.
Das für Mittwoch angesetzte Freundschaftsspiel zwischen Mexiko und Island in Querétaro soll jedoch wie geplant stattfinden. Experten halten es für unwahrscheinlich, dass der Fußballweltverband FIFA Mexiko die Ausrichtung der WM-Partien entzieht. Ich glaube nicht, dass das ein Thema ist. Es wird eher so sein, dass die FIFA Mexiko auffordern wird, die Sicherheitsmaßnahmen deutlich zu verstärken, sagte der Sicherheitsberater Alberto Guerrero Baena der Zeitung El Sol de México. Der Schlag gegen El Mencho dürfte die Verhandlungsposition von Mexikos Präsidentin Sheinbaum bei den weiteren Gesprächen mit der US-Regierung deutlich stärken.



