Mexiko nach Tod von Drogenboss El Mencho: Gewaltwelle erschüttert WM-Land
Mexiko: Gewaltwelle nach Tod von Drogenboss El Mencho

Mexiko nach Tod von Drogenboss El Mencho: Gewaltwelle erschüttert WM-Land

Nach dem Tod des mexikanischen Drogenbosses Nemesio Oseguera Cervantes, besser bekannt unter seinem Alias El Mencho, überziehen seine Anhänger das lateinamerikanische Land mit einer beispiellosen Welle der Gewalt. Knapp vier Monate vor dem Eröffnungsspiel der Fußballweltmeisterschaft in Mexiko-Stadt errichten sie in mehreren Bundesstaaten Straßensperren und greifen gezielt Geschäfte sowie Banken an. Bei der Festnahme von El Mencho und den anschließenden heftigen Kämpfen zwischen Sicherheitskräften und mutmaßlichen Mitgliedern des Drogenkartells Jalisco Nueva Generación (CJNG) kamen mindestens 74 Menschen ums Leben.

Das mächtige Drogenkartell Jalisco Nueva Generación

Das Cártel de Jalisco Nueva Generación gilt derzeit als die wohl mächtigste kriminelle Organisation in Mexiko. Die Gruppe wurde im Jahr 2010 zunächst als bewaffneter Arm des berüchtigten Sinaloa-Kartells gegründet, machte sich jedoch rasch selbstständig und breitete sich mit atemberaubender Geschwindigkeit aus. Das Kartell ist in zahlreiche illegale Aktivitäten verwickelt, darunter:

  • Drogenhandel auf internationaler Ebene
  • Schutzgelderpressung von Unternehmen und Privatpersonen
  • Diebstahl von Rohöl aus Pipelines
  • Schleusung von Migranten über die Grenzen

Das CJNG operiert nach einem innovativen Franchise-Modell, das kleineren regionalen Gruppen erlaubt, die Marke CJNG zu nutzen und so ihre Reichweite zu maximieren. Nach aktuellen Schätzungen des US-Nationalen Zentrums für Terrorismusbekämpfung verfügt das Kartell über beeindruckende 15.000 bis 20.000 Mitglieder. Die Kämpfer des CJNG sind für ihre extreme Brutalität bekannt und schossen bei früheren Konfrontationen mit Sicherheitskräften sogar einen Militärhubschrauber ab. Besonders besorgniserregend ist jedoch die tiefgreifende Infiltration von Teilen der Sicherheitsbehörden und der Politik durch das Verbrechersyndikat.

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Droht eine lang anhaltende Gewaltwelle in Mexiko?

Die Frage, ob nun eine lang anhaltende Welle der Gewalt über Mexiko hereinbricht, ist schwer vorauszusagen. Am Tag nach der Tötung des Drogenbosses herrschte im Land eine angespannte Ruhe, doch Gewalttätige Reaktionen auf die Festnahme oder den Tod von Kartellchefs sind in Mexiko durchaus üblich. Ein historisches Beispiel aus dem Jahr 2019 zeigt die Macht der Kartelle: Damals ließ die mexikanische Regierung einen Sohn des Chefs des Sinaloa-Kartells nach seiner Verhaftung wieder frei, nachdem Mitglieder der Organisation in Sinaloa tagelang Straßen blockiert und Sicherheitskräfte attackiert hatten.

Andererseits haben die kriminellen Banden in Mexiko eigentlich kein strategisches Interesse an einer direkten und dauerhaften Konfrontation mit dem Militär und der Polizei – ihre lukrativen Geschäfte laufen deutlich besser, wenn relative Ruhe und Stabilität herrschen. Allerdings könnte es innerhalb des Kartells Jalisco Nueva Generación zu erbitterten internen Kämpfen um die Nachfolge von El Mencho kommen. Zudem könnten andere Verbrechersyndikate die vermeintliche momentane Schwäche des CJNG für eigene Expansionspläne ausnutzen und so neue Konflikte entfachen.

Die Rolle der USA bei der Festnahme von El Mencho

Die US-Regierung hat das Kartell Jalisco Nueva Generación offiziell als ausländische Terrororganisation eingestuft und hatte ein stattliches Kopfgeld von 15 Millionen US-Dollar, umgerechnet etwa 12,7 Millionen Euro, auf El Mencho ausgesetzt. US-Präsident Donald Trump warf der mexikanischen Regierung in der jüngeren Vergangenheit wiederholt vor, nicht genügend gegen die mächtigen Drogenkartelle zu unternehmen, und brachte sogar mögliche US-Militäreinsätze gegen die kriminellen Banden im Nachbarland ins Spiel. Diesen umstrittenen Vorschlag wies Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum jedoch entschlossen und deutlich zurück.

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Bei der Bekämpfung der Kartelle arbeiten die Sicherheitsbehörden der beiden Länder ohnehin eng und kontinuierlich zusammen. Auch bei dem entscheidenden Einsatz zur Festnahme von El Mencho stützten sich die mexikanischen Soldaten maßgeblich auf wertvolle Geheimdienstinformationen aus den USA. An dem finalen Einsatz waren allerdings ausschließlich mexikanische Sicherheitskräfte beteiligt. Mit dem Schlag gegen El Mencho hat Sheinbaum demonstriert, dass internationale Zusammenarbeit und intensiver Informationsaustausch zu den von Trump gewünschten Ergebnissen führen können und dass die mexikanischen Streitkräfte durchaus in der Lage sind, hochrangige Ziele effektiv auszuschalten, schreibt David Mora von der International Crisis Group in einer aktuellen Analyse.

Bedeutung der Gewaltwelle für die Fußball-Weltmeisterschaft

Das aktuelle Chaos knapp vier Monate vor dem Anpfiff der Weltmeisterschaft lässt die bereits bestehenden Bedenken über Mexiko als WM-Ausrichter signifikant wachsen. Das Land richtet ab Juni gemeinsam mit den USA und Kanada die prestigeträchtige Fußballweltmeisterschaft aus. In den mexikanischen Städten Mexiko-Stadt, Guadalajara und Monterrey werden insgesamt 13 Spiele ausgetragen.

Angesichts der schweren Kämpfe und der unsicheren Lage wurden am vergangenen Sonntag bereits eine Reihe von nationalen Fußballspielen vorsorglich abgesagt. Das für Mittwoch angesetzte Freundschaftsspiel zwischen Mexiko und Island in Querétaro soll jedoch vorerst wie geplant stattfinden. Dass der Fußballweltverband FIFA Mexiko die Ausrichtung der WM-Partien komplett entzieht, halten Experten für äußerst unwahrscheinlich. Ich glaube nicht, dass das ein ernsthaftes Thema ist. Es wird eher so sein, dass die FIFA Mexiko auffordern wird, die Sicherheitsmaßnahmen deutlich zu verstärken und zu intensivieren, sagte der renommierte Sicherheitsberater Alberto Guerrero Baena der angesehenen Zeitung El Sol de México.