Sachsens Bahnverkehr wird grüner: Akkuzüge rollen auf weiteren Strecken
Akkuzüge in Sachsen: Weitere Strecken geplant

Sachsens Bahnverkehr wird grüner: Akkuzüge rollen auf weiteren Strecken

Seit Anfang des Monats sind in Sachsen die ersten Akkuzüge auf der Linie RE 6 zwischen Chemnitz und Leipzig im regulären Einsatz. Diese neuen Fahrzeuge ersetzen dieselbetriebene Züge und markieren einen wichtigen Schritt hin zu einem klimafreundlicheren Schienenpersonennahverkehr. Die Mitteldeutsche Regiobahn (MRB) als Betreiber gibt an, dass der CO2-Ausstoß im Vergleich zu den bisherigen Doppelstockzügen mit Diesellok um zwei Drittel reduziert wird.

Ausweitung des Akkuzug-Einsatzes in Sachsen

Nach der erfolgreichen Premiere zwischen Chemnitz und Leipzig wird der Einsatz von Akkuzügen nun auch auf anderen Strecken in Sachsen forciert. Zum Jahresende sollen im S-Bahn-Netz Mitteldeutschland Triebwagen mit Stromspeicher fahren, die auch den Leipziger City-Tunnel passieren können. Konkret ist der Einsatz auf der Strecke Leipzig-Grimma-Döbeln als Linie S1 vorgesehen, wie der Zweckverband ZVNL mitteilt.

In Leipzig setzt man auf Batteriezüge des Herstellers Siemens. Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember sollen 16 zweiteilige Fahrzeuge vom Typ Mireo Plus B mit jeweils 100 Sitzplätzen auf der Linie S1 verkehren. Diese sind Teil eines größeren Auftrags über insgesamt 75 Mireo-Züge für das S-Bahn-Netz, der ein Volumen von rund 500 Millionen Euro umfasst.

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Ostsachsen plant Umstieg ab den 2030er Jahren

Auch in Ostsachsen wird der Umstieg von Diesel- zu Akkuzügen auf Strecken ohne Oberleitung angestrebt, allerdings erst ab Anfang der 2030er Jahre. Der Verkehrsverbund, der sich von Dresden bis nach Görlitz erstreckt, plant den Einsatz von etwa 50 Akkuzügen für das gesamte Netz. Die aktuellen Verträge laufen jedoch noch bis Ende 2030 und 2031, sodass die Bestellung der Fahrzeuge noch aussteht.

Für die Umstellung sind erhebliche Investitionen in die Ladeinfrastruktur notwendig, die auf mehr als 100 Millionen Euro geschätzt werden. Dennoch zeigen Untersuchungen von Experten der Technischen Universitäten Dresden und Berlin, dass der Betrieb mit Akkuzügen über den gesamten Lebenszyklus hinweg etwa so wirtschaftlich ist wie bei heutigen Dieselzügen.

Vogtland beobachtet Entwicklung zurückhaltend

Im Vogtland zeigt man sich hingegen noch zurückhaltend gegenüber der neuen Technologie. Entwicklungen zu alternativen Antriebstechnologien, wie der Einsatz von Akkuzügen zwischen Chemnitz und Leipzig oder in Norddeutschland, werden zwar aufmerksam beobachtet. Eine Festlegung auf eine bestimmte Technologie besteht derzeit jedoch nicht. Entscheidungen über den künftigen Einsatz alternativer Antriebe im Vogtland werden auf Basis dieser Erkenntnisse und der jeweiligen Rahmenbedingungen getroffen.

Alternative Antriebe: Akku versus Wasserstoff

Da auf Strecken ohne Oberleitung bisher vorrangig Dieselmotoren zum Einsatz kommen, wird intensiv nach Alternativen gesucht. Neben Akkuzügen, die ihren Strom aus wiederaufladbaren Batterien beziehen, kommen auch Wasserstoffzüge infrage. Experten zufolge sind Wasserstoffzüge jedoch teurer, unter anderem wegen höherer Betriebskosten und einer schlechteren Energieeffizienz.

Laut dem Elektrotechnik-Verband VDE verbraucht ein Wasserstoffzug dreimal mehr Strom als ein Akkuzug, da Wasserstoff zunächst aus Strom gewonnen und dann in der Brennstoffzelle wieder in Strom umgewandelt werden muss. Zudem ist der Betrieb nur dann umweltschonend, wenn grüner Wasserstoff oder grüner Strom verwendet wird. Grüner Wasserstoff ist jedoch bisher rar und wird auch für die klimafreundliche Umstellung energieintensiver Industriezweige benötigt.

Erfahrungen mit den ersten Akkuzügen auf der RE 6

Der Start der Akkuzüge auf der Linie RE 6 zwischen Chemnitz und Leipzig verlief nach Angaben der MRB sehr positiv. In der ersten Betriebswoche konnte eine hohe Pünktlichkeit verzeichnet werden, und die Rückmeldungen der Fahrgäste fallen durchweg erfreulich aus. Aktuell fahren täglich zwei Akkuzüge in Doppeltraktion, was jeweils 300 Sitzplätze bietet und bereits ein Viertel des Gesamtverkehrs auf der Strecke abdeckt.

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Bis Mitte Juni soll die bisherige Diesel-Flotte komplett durch Akkuzüge ersetzt werden. Es gibt noch einige kleinere Optimierungspunkte im Betriebsablauf, und kürzlich kam es zu Störungen auf der Strecke aufgrund von Beschädigungen an einem Kabelkanal in Leipzig. Langfristig ist geplant, dass RE 6-Züge über Chemnitz hinaus bis ins Erzgebirge nach Annaberg-Buchholz fahren, zumindest in den Morgen- und Abendstunden. Ein genauer Zeitpunkt dafür steht jedoch noch nicht fest.

Insgesamt hat der Verkehrsverbund Mittelsachsen elf Akkuzüge vom Typ Coradia Continental des Herstellers Alstom für rund 70 Millionen Euro bestellt, wobei sich die Auslieferung um etwa zwei Jahre verzögert hat. Die rund 80 Kilometer lange Strecke zwischen Chemnitz und Leipzig ist nicht elektrifiziert, sodass die Akkus auf dem Dach der Fahrzeuge während des Halts am Bahnhof geladen werden.