Die Zahl der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung in Deutschland hat einen neuen Höchststand erreicht. Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) unter Berufung auf eine Sprecherin des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) berichtet, gingen in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 insgesamt 5.862 Anträge ein. Dies bedeutet einen drastischen Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren.
Vergleich mit den Vorjahren
Im gesamten Jahr 2025 hatten 3.867 Menschen einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung gestellt, während es 2024 noch 2.998 waren. Der bisherige Höchstwert seit Aussetzung der Wehrpflicht lag im Jahr 2011 mit 4.348 Anträgen. Die aktuellen Zahlen übertreffen diesen Wert bereits nach einem halben Jahr deutlich.
Hintergrund des Anstiegs
Als Hauptgrund für den Anstieg gilt die angespannte Sicherheitslage sowie das neue Gesetz über den Wehrdienst, das am 1. Januar 2026 in Kraft trat. Kernstück ist die verpflichtende Musterung für alle jungen Männer ab dem Jahrgang 2008. Ziel ist es, Freiwillige für einen Ausbau der Bundeswehr zu rekrutieren. Sollten die angestrebten Zielkorridore nicht erreicht werden, kann der Bundestag über eine sogenannte Bedarfswehrpflicht entscheiden.
Die Wehrpflicht ist zwar ausgesetzt, aber weiterhin im Grundgesetz verankert. Unabhängig davon besteht laut Bundesamt das Recht, den Kriegsdienst mit der Waffe aus Gewissensgründen gemäß Artikel 4 Absatz 3 des Grundgesetzes zu verweigern.
Widerrufe von Kriegsdienstverweigerungen
Parallel zu den Neuanträgen gibt es auch Personen, die ihre bereits erfolgte Kriegsdienstverweigerung widerrufen. Laut einem Bericht der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vom April 2026 war dies im vergangenen Jahr 781 Mal der Fall, im ersten Quartal 2026 bereits 233 Mal.



