Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat seine letzte Militärparade zum Nationalfeiertag am 14. Juli genutzt, um das „strategische Erwachen“ Europas und die massive Aufrüstung Frankreichs zu demonstrieren. Die Parade auf den Pariser Champs-Élysées war mit fast 6800 beteiligten Soldaten so groß wie nie zuvor, wie der Élysée-Palast mitteilte. Im Zentrum stand die Unterstützung für die Ukraine.
Größte Parade unter Macron mit Rekordbeteiligung
Lange Kolonnen von Soldaten, gepanzerte Fahrzeuge und Militärflugzeuge prägten das Bild. Die Kunstflugstaffel „Patrouille de France“ zog Kondensstreifen in den französischen Nationalfarben blau, weiß und rot. Macron wollte mit der XXL-Parade „die strategische Aufrüstung Frankreichs“ und „das strategische Erwachen Europas“ betonen. Die Verteidigungsausgaben Frankreichs haben sich seit 2017, als Macron erstmals als Präsident antrat, verdoppelt.
Ukrainische Soldaten und Selenskyj als Ehrengast
An der Spitze der Parade marschierten 500 Soldaten aus Mitgliedsländern der sogenannten Koalition der Willigen, die die Ukraine gegen Russland unterstützt. Darunter waren auch Truppen aus Deutschland. 25 ukrainische Soldaten schritten ebenfalls über die Prachtstraße. Die Kunstflugstaffel wurde von zwei Mirage-Kampfjets mit französisch-ukrainischer Besatzung begleitet – Jets dieses Typs hatte Paris der Ukraine zur Verfügung gestellt.
Auf der Ehrentribüne verfolgte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Parade gemeinsam mit rund 30 weiteren Staats- und Regierungschefs der Koalition der Willigen sowie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz war unter den Ehrengästen; zuletzt hatte 2019 die damalige Kanzlerin Angela Merkel an der Parade teilgenommen.
Selenskyj: „Zeichen des Respekts und der Anerkennung“
„Es ist eine große Ehre für uns, hier zu sein“, sagte Selenskyj nach der Parade. „Emmanuels Einladung an unsere Verteidiger ist ein Zeichen des Respekts und der Anerkennung der Stärke der Ukraine, unseres Volkes und unserer Streitkräfte. Wir danken unseren Soldaten. Wir danken Frankreich und all unseren Partnern, die der Ukraine zur Seite stehen.“
Macron kündigt gemeinsame Manöver an – Deutschland zögert
Die Unterstützung für die Ukraine beschränkte sich nicht auf das militärische Schaulaufen. Am Vorabend bekräftigte die von Frankreich und Großbritannien angeführte Koalition der Willigen bei einem Treffen in Paris ihren Willen zur weiteren militärischen Unterstützung. Macron kündigte überraschend erste gemeinsame Manöver der multinationalen Schutztruppe an, mit der die Koalition einen möglichen Waffenstillstand und Friedensschluss absichern will.
Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk sagte in Paris, die Manöver sollen im Herbst in Polen stattfinden, mit Truppen aus Frankreich, Großbritannien und Polen. Die Übungen sollten die Koalition auf „konkrete Sicherheitsgarantien für die Ukraine, aber auch für die Region vorbereiten“, so Tusk. Der polnische Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz erklärte, sein Land sei auch zu einer ständigen Stationierung von Truppen aus Frankreich und Großbritannien bereit.
Bundeskanzler Merz ließ den deutschen Beitrag für eine multinationale Truppe bisher offen. Auf die angekündigten Manöver ging er in einem Statement nicht ein; er sprach lediglich von einer „wichtigen Rolle“ der Koalition bei Sicherheitsgarantien für die Ukraine in enger Zusammenarbeit mit den USA. Aus Regierungskreisen in Berlin hieß es, Deutschland werde sich nicht an den ersten Manövern beteiligen.
Deutschland mit Artilleriebataillon vertreten
Deutschland war mit vier Flugzeugen sowie 21 Soldaten des Artilleriebataillons 295 aus Stetten am kalten Markt an der Parade beteiligt. Das Bataillon untersteht der Deutsch-Französischen Brigade. Die französischen Fernsehkommentatoren kündigten die deutschen Soldaten mit derselben Wertschätzung an wie alle anderen ausländischen Truppen. Deutsche Soldaten waren am 14. Juli 1994 zum ersten Mal seit Ende des Zweiten Weltkriegs wieder an einer Militärparade auf französischem Boden beteiligt – Frankreichs damaliger Präsident François Mitterrand wollte damit ein Zeichen für die deutsch-französische Aussöhnung setzen.



