Ukraine und Europa gründen Raketenabwehr-Koalition gegen Russland
Ukraine und Europa: Neue Raketenabwehr-Koalition

Neue Koalition für gemeinsame Raketenabwehr

Die Ukraine hat sich mit Deutschland, Frankreich, Großbritannien sowie sechs weiteren europäischen Ländern zu einer Raketenabwehr-Koalition zusammengeschlossen. Ziel der Initiative ist es, der wachsenden Bedrohung durch ballistische Raketen Russlands entgegenzuwirken. Diese töten regelmäßig viele Zivilisten in der Ukraine, und auch Europa verfügt neben den US-amerikanischen Patriot-Systemen über zu wenig Optionen, um solche Angriffe abzuwehren.

Die Ukraine entwickelt derzeit ein deutlich günstigeres System als Patriot. Der von den Flamingo-Marschflugkörpern bekannte ukrainische Hersteller Firepoint nennt es Freyja. Die dazugehörige Flugabwehrrakete FP-7.x gegen ballistische Bedrohungen wurde auf dem Instagram-Kanal des Rüstungskonzerns gezeigt. Dazu hieß es: „Gemeinsam betriebener paneuropäischer Raketenabwehrschild. Kommt bald ...“

Selenskyj: Ukraine bereit für Beitrag

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb auf X: „Europa braucht mehr Raketenabwehr. Gemeinsam können wir ein solches System aufbauen. Die Ukraine ist bereit, ihren Teil beizusteuern: die Flugabwehrrakete. Wir sind gerade dabei, diese fertigzustellen. Es ist wichtig, politisch zu bekräftigen, dass Freyja unser gemeinsames Projekt ist, das im Interesse ganz Europas liegt.“ Partnerstaaten könnten Radarsysteme und weitere wichtige Komponenten für Freyja zur Verfügung stellen, so Selenskyj. Ein vollständiges Flugabwehrsystem besteht in der Regel aus Flugabwehrraketen, Startgeräten, einem Radar und einem Feuerleitstand.

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Neben den bereits genannten Ländern gehören auch Italien, Dänemark, die Niederlande, Norwegen, Spanien und Schweden der Koalition an. Selenskyj betonte, es sei wichtig, dass europäische Länder vertreten seien, die über die Kapazitäten zur Herstellung von Flugabwehrraketen wie der FP-7.x verfügen. Ihm zufolge sind unter anderem die Rüstungskonzerne MBDA, Hensoldt und Diehl Defence mit von der Partie.

Bestehende Flugabwehr reicht nicht aus

Europa ist zum Handeln gezwungen, weil es zu wenige Patriot-Systeme und die dazugehörigen Flugabwehrraketen gibt. Die Produktion liegt bei unter 1000 Stück pro Jahr – für alle Kunden weltweit. Neben dem Krieg in der Ukraine hat auch der Konflikt im Nahen Osten die Bestände vieler Länder geleert. Für das einzige europäische Flugabwehrsystem gegen ballistische Raketen, SAMP/T, gibt es ebenfalls zu wenige Raketen vom Typ Aster.

Die Ukraine könnte mit der FP-7.x eine wichtige Lücke füllen. Firepoint berichtete vergangenen Monat von einem erfolgreichen Test der Rakete. Das Unternehmen wolle seine Ziele schnell Wirklichkeit werden lassen, hieß es. Die Entwicklung einer Abfangrakete zur Bekämpfung von ballistischen Bedrohungen ist ein hochkomplexes Unterfangen, besonders in einem kurzen Zeitraum. CEO Iryna Terekh kritisierte auf X, dass die Ukraine nicht schon viel früher in eine Flugabwehrrakete zur Bekämpfung von ballistischen Bedrohungen investiert habe.

Laut der ukrainischen Nachrichtenagentur Unian will Firepoint auch einen Suchkopf des deutschen Unternehmens Diehl Defence integrieren. Ein solcher ist dafür da, das abzufangende Ziel zu erfassen. Beide Firmen hatten in diesem Jahr eine Partnerschaft vereinbart.

Ballistische Raketen als Hauptproblem

Ballistische Raketen sind seit Jahren eines der Hauptprobleme für die Ukraine. Bei einem der vergangenen Angriffe auf Kiew konnten die Luftstreitkräfte wegen des Mangels an Flugabwehrraketen keine einzige davon abfangen. In der ukrainischen Hauptstadt starben bei mehreren Großangriffen in kurzer Zeit Dutzende Menschen.

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