Rassismus-Vorwurf gegen Ex-Regierungschef
Der frühere spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy hat mit einer kontroversen Äußerung über die französische Nationalmannschaft einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. In einem Beitrag für die Zeitung „El Debate“ schrieb der konservative Politiker, dass Frankreich zwar über einen Kader auf höchstem Niveau verfüge, jedoch keine Franzosen in dem Team stünden. Die Aussage fällt nur wenige Stunden vor dem WM-Halbfinale zwischen Spanien und Frankreich, das am Dienstag um 21.00 Uhr in Dallas angepfiffen wird.
Scharfe Kritik aus Frankreich
Philippe Diallo, Präsident des französischen Fußballverbandes, reagierte umgehend auf der Plattform X: „Mariano Rajoys Äußerungen über die französische Nationalmannschaft zeugen von unerträglichem Rassismus. Sie werfen zudem Fragen nach dem verwerflichen Klima auf, das solchen Gestank erst ermöglicht. Unsere Spieler brauchen keine Staatsbürgerschaftsurkunden von einem ehemaligen spanischen Ministerpräsidenten.“ Auch Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez verurteilte die Aussage scharf: „Das ist absolut inakzeptabel, das entspricht überhaupt nicht den Werten Frankreichs“, sagte er bei BFMTV.
Spaniens Premier kontert
Der amtierende spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez bezog ebenfalls klar Stellung. Auf X verlinkte er einen Beitrag mit zahlreichen kritischen Kommentaren zu Rajoy und schrieb: „Manche definieren Zugehörigkeit noch immer über Nachnamen, Geburtsort oder Hautfarbe. Andere von uns definieren sie über ihre tiefe Verbundenheit mit einem Land und ihre Bereitschaft, sich für es einzusetzen. Indem wir Fußball spielen. Indem wir uns um unsere Älteren kümmern. Oder indem wir Unternehmen gründen.“ Sánchez betonte, Spanien gehöre denen, die es lieben, nicht jenen, die es mit xenophoben Äußerungen beschämen. Er richtete sich direkt an Frankreich: „Wir sehen uns im Halbfinale. Möge die beste Mannschaft gewinnen und der Rassismus verlieren.“
Hintergrund: Wiederholte rassistische Angriffe
Der Vorfall ist nicht der erste rassistische Angriff auf die französische Nationalmannschaft. Erst kürzlich hatte die paraguayische Senatorin Celeste Amarilla de Boccia während der WM den französischen Topstar Kylian Mbappé rassistisch beschimpft. Der französische Verband reichte daraufhin Anzeige gegen die Politikerin ein. Die Debatte um die Identität und Zusammensetzung der französischen Nationalelf, die für ihre Multikulturalität bekannt ist, wird durch Rajoys Aussage erneut angeheizt.



