Von Platzwunden bis Reanimation: Feuerwehrleute in Rehna werden zu qualifizierten Ersthelfern ausgebildet
Engagierte Bürger aus Nordwestmecklenburg tauschen derzeit ihren gewohnten Arbeitsplatz in Autowerkstätten oder Seniorenheimen gegen die Schulbank. Sie lassen sich als Feuerwehrleute zu First Respondern, also qualifizierten Ersthelfern, ausbilden, um in Notfallsituationen Menschenleben retten zu können. Dieser Schritt markiert einen wichtigen Ausbau der Notfallversorgung in der Region.
Neue Mitglieder und erfahrene Kräfte drücken gemeinsam die Schulbank
Stephanie Völkner, die in einem Alten- und Pflegeheim in Rehna arbeitet und kürzlich der Feuerwehr der Klosterstadt beigetreten ist, beschreibt die Ausbildung als „aufregend und spannend“. Sie ist eine von mehreren Teilnehmern, die das Rüstzeug eines First Responders erlernen möchten. Auch Felix Gäde, ein Kfz-Mechatroniker aus Schönberg und aktiver Feuerwehrmann, nimmt an dem zweiwöchigen Kurs teil. „Ich hatte Lust darauf, mich weiterzubilden und etwas Neues zu lernen. Sollte mal etwas passieren, kann es nicht schaden, schnell und richtig helfen zu können“, erklärt er seine Motivation.
Rehna baut erstmals ein First-Responder-Team auf
Während die Schönberger Feuerwehr bereits seit über 20 Jahren über First Responder verfügt, baut Rehna im 126. Jahr des Bestehens seiner Wehr erstmals ein solches Team auf. Henry Wanzenberg, Rehnaer Wehrführer, der ebenfalls an der Ausbildung teilnimmt, betont die Dringlichkeit: „Jeder kann in eine Notlage geraten. Dann kommt es auf jede Sekunde an. Aufgabe der First Responder ist es in solchen Fällen, die Zeit zu überbrücken, bis der Rettungsdienst vor Ort ist.“ Geplant ist, dass das Team in der zweiten Jahreshälfte einsatzbereit sein wird.
Umfangreiche Ausbildung unter medizinischer Leitung
Die Ausbildung in Rehna umfasst mehr als 80 Stunden und wird von Dr. med. Felix Bischof, Chefarzt für Anästhesie, Notfall-, Intensiv- und Palliativmedizin im DRK-Krankenhaus Grevesmühlen, geleitet. Zum Dozententeam gehört auch Notfallsanitäterin Anna Kruse, die den künftigen First Respondern lebensrettende Maßnahmen wie die Hilfe bei akuter Atemnot und Reanimationstechniken vermittelt. Sie räumt dabei mit einem verbreiteten Mythos auf: „Es ist nicht so wie im Fernsehen, wo erfolgreich reanimierte Patienten sofort die Augen öffnen, euch die Hände schütteln, sich bedanken und nach Hause gehen.“ Patienten seien unmittelbar nach einer Reanimation nicht in der Lage, solche Handlungen auszuführen.
Praktische Tipps für den Ernstfall
Anna Kruse gibt auch konkrete Ratschläge für den Einsatz: „Geht zu umherstehenden, neugierigen Zuschauern, die es meistens in solchen Fällen gibt. Sprecht sie an: ‚Du kommst jetzt hierher und hilfst uns!‛“ Dies kann besonders bei anstrengenden Maßnahmen wie der Herz-Druck-Massage entscheidend sein, wenn den Helfern nach 10 bis 20 Minuten die Kräfte ausgehen.
Prüfung und Einsatzbereitschaft stehen bevor
Bis zum 6. März 2026 lernen die Teilnehmer den Umgang mit Defibrillatoren und medizinischen Fachbegriffen. Anschließend müssen sie eine Prüfung bei Dr. Patricia Bunke, der ärztlichen Leiterin des Rettungsdienstes in Nordwestmecklenburg, bestehen. Im Landkreis gibt es bereits mehrere First-Responder-Teams, etwa in Dassow, Schönberg, Gadebusch und Boltenhagen. Deren Einsätze reichen von der Versorgung von Platzwunden bis zur Reanimation. Beispielsweise rückten die First Responder aus Gadebusch im Jahr 2025 zu über 60 Einsätzen aus, während die aus Dassow durchschnittlich 30 bis 40 Einsätze pro Jahr absolvieren.
Bedeutung für die Region
Martin Reininghaus, Bürgermeister von Rehna, sieht in dem neuen Team einen echten Gewinn für die Region: „Es ist ein echter Gewinn, wenn künftig ein weiteres First-Responder-Team in der Region zur Verfügung steht und im Notfall angefordert werden kann.“ Die Ausbildung stärkt nicht nur die lokale Feuerwehr, sondern verbessert insgesamt die Notfallversorgung in Nordwestmecklenburg und trägt dazu bei, dass im Ernstfall schnelle und kompetente Hilfe geleistet werden kann.



