Historisches Gutshaus in Groß Salitz erhält neue Förderung für Sanierung
In Nordwestmecklenburg wird ein außergewöhnliches Baudenkmal aus dem 17. Jahrhundert Schritt für Schritt zu neuem Leben erweckt. Das Gutshaus Groß Salitz bei Gadebusch, das zu den wenigen erhaltenen Adelssitzen aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg zählt, kann nun den fünften Bauabschnitt seiner hochwertigen Sanierung beginnen. Dies wird durch eine Förderung in Höhe von 205.000 Euro ermöglicht, die von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz bereitgestellt wurde.
Westfassade wird aufwendig instand gesetzt
Im Mittelpunkt des aktuellen Bauabschnitts steht die Instandsetzung der Westfassade des historischen Fachwerkhauses. „Unser Ziel ist, dass die ehemalige Außenwand wieder freigestellt und aufwendig instand gesetzt wird“, erklärt Architekt Sönke Borgwardt, der das Sanierungsprojekt vor Ort betreut. Dazu soll zunächst ein Vorbau an der Westfassade demontiert werden, was voraussichtlich für einige Staubentwicklung im Gebäude sorgen wird.
Die finanzielle Unterstützung für dieses ambitionierte Vorhaben wurde nach Angaben der Deutschen Stiftung Denkmalschutz durch zahlreiche private Spenden, Zuwendungen der Gerlind & Ernst Denert-Stiftung sowie durch Erträge der Lotterie GlücksSpirale ermöglicht. „Die Zukunft dieses Hauses wäre womöglich nicht existent, wenn es diese Unterstützung nicht gäbe“, betont Susanne Sohayegh, die Eigentümerin des Gutshauses und zugleich Musikerin ist.
Hunderte Tonnen Schutt bereits entfernt
Die Sanierungsarbeiten am Gutshaus Groß Salitz stellen eine enorme Herausforderung dar. Seit dem Erwerb des Gebäudes haben Susanne Sohayegh, ihr Ehemann und weitere Helfer bereits hunderte Tonnen Schutt und Müll aus dem historischen Bauwerk entfernt. „Wir betreiben hier nicht nur Schadensbegrenzung, sondern sanieren wirklich hochwertig“, unterstreicht die Eigentümerin den Anspruch des Projekts.
Die historische Fachwerkstruktur der Westfassade ist zwar teilweise noch vorhanden, bedarf jedoch umfangreicher Restaurierungsmaßnahmen. „Sogenannte Notabsteifungen müssen hingegen durch eine Fachwerkkonstruktion ersetzt werden“, erläutert Architekt Borgwardt die notwendigen Arbeiten. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat dem Gutshaus einen besonderen kulturhistorischen Wert zugemessen, was die aufwendige Sanierung rechtfertigt.
Einzigartiges Baudenkmal mit bewegter Geschichte
Das Gutshaus Groß Salitz wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts errichtet, wobei eine Untersuchung des verbauten Holzes den Bau auf das Jahr 1685 datiert. Es handelt sich um ein historisches Herrenhaus aus Fachwerk mit hohem Walmdach, das sich im Zentrum des Dorfes befindet. Das zweigeschossige Gebäude präsentiert sich auf der Nordseite durch zusätzliche Fenster und einen anschließenden Gebäudeteil besonders imposant, wobei ein runder Eckturm beide Gebäudeteile verbindet.
Während der DDR-Zeit diente das Gutshaus als sozialer Mittelpunkt des Dorfes und beherbergte unter anderem eine Gaststätte mit Tanzlokal und einen Kindergarten. „Hier war damals Leben drin und es ist wunderbar genutzt worden. Doch nach der Wende war es mit dem schönen Leben hier vorbei“, erinnert sich Susanne Sohayegh. Nach der deutschen Wiedervereinigung sorgte ein umsichtiger Bewohner dafür, dass kleinere Schäden am Gebäude repariert wurden, was nach Ansicht der Eigentümerin das Haus vor weiterem Verfall bewahrte.
Fachleute arbeiten Hand in Hand
Bei der komplexen Sanierung des Gutshauses arbeiten verschiedene Fachleute eng zusammen. Neben Architekt Sönke Borgwardt sind ein Restaurator, ein Statiker und Zimmerermeister Thomas Stüve beteiligt, der sein Handwerk einst beim VEB Denkmalpflege erlernte. Die Abstimmungen mit den Denkmalschutzbehörden funktionieren nach Angaben der Beteiligten hervorragend.
Susanne Sohayegh bezeichnet solche Fachleute und Handwerker gerne als „Juwelen“ und „Wächter des Hauses“. Sie würden nicht nur auf Probleme hinweisen, sondern wüssten auch, wie diese zu beheben sind. Seit 2021 gehört das Gutshaus Groß Salitz zu den mehr als 660 Denkmalen, die die Deutsche Stiftung Denkmalschutz fördern konnte.
Zukunftsperspektiven für das historische Gebäude
Die Sanierungsarbeiten verfolgen nicht nur den Erhalt des historischen Gebäudes, sondern auch seine zukünftige Nutzung. Das Gutshaus soll wieder zu einem Ort der Begegnung werden und für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden. „Damit blieben nicht nur Denkmale, sondern auch Erinnerungen aus der Vergangenheit erhalten. Zugleich würden die Denkmale für die Zukunft nutzbar gemacht“, betont Jürgen Hansen, Ortskurator der Deutschen Stiftung Denkmalschutz Schwerin.
Die laufenden Sanierungsarbeiten am Gutshaus Groß Salitz zeigen beispielhaft, wie historische Bausubstanz durch engagierte Eigentümer, fachkundige Handwerker und finanzielle Förderung für kommende Generationen bewahrt werden kann. Mit dem fünften Bauabschnitt rückt die vollständige Wiederherstellung dieses seltenen Zeugnisses mecklenburgischer Adelskultur wieder ein Stück näher.



