Kogge „Wissemara“ in Stralsund: Förderverein kämpft gegen Fahrverbot nach Schädlingsbefall
Kogge „Wissemara“: Förderverein kämpft gegen Fahrverbot

Kogge „Wissemara“ in Stralsund: Förderverein kämpft gegen Fahrverbot nach Schädlingsbefall

Der Förderverein der Kogge „Wissemara“ setzt sich intensiv dafür ein, das wegen technischer Mängel verhängte Fahrverbot für das historische Schiff aufzuheben. Am Mittwoch wurde der Schiffsboden auf dem Volkswerftgelände in Stralsund durch einen Gutachter erneut inspiziert, wie Gerd Lemke vom Förderverein mitteilte. Die Dienststelle Schiffssicherheit der BG Verkehr hatte das Traditionsschiff bereits im vergangenen Jahr aufgrund erheblicher Sicherheitsmängel stillgelegt.

Schwere strukturelle Schäden durch Schädlingsbefall

Almut Wenge von der Dienststelle Schiffssicherheit erklärte, dass Festigkeit und Wasserdichtheit des Schiffes stark beeinträchtigt seien. Bereits in der Vergangenheit wurde festgestellt, dass Holz durch Schädlingsbefall zerstört worden ist. Zuletzt sprach Wenge von gefährlichen strukturellen Schäden, die das Schiff als nicht fahrtüchtig einstufen. Sogar ein Neubau wäre kostengünstiger als die notwendigen Reparaturen, so Wenge. Auch Lemke vom Förderverein bestätigte, dass mit hohen Kosten zu rechnen sei, deren genaue Höhe jedoch noch nicht bekannt ist.

Die Kogge war Ende des vergangenen Jahres für Reparaturen von ihrem Heimathafen Wismar auf die Werft in Stralsund gebracht worden. Dort hat die Dienststelle Schiffssicherheit das Schiff erneut begutachtet und die schwerwiegenden Schäden dokumentiert. Der Schädlingsbefall hat dem Holz des Schiffes erheblich zugesetzt, was die strukturelle Integrität massiv beeinträchtigt.

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Nächste Schritte und gemeinsame Begehung

Am kommenden Montag soll ein Holzfachmann das Holz des Schiffes detailliert begutachten. In den Tagen danach ist eine gemeinsame Begehung mit der Dienststelle Schiffssicherheit, Fachleuten des Vereins und Vertretern der Stadt Wismar geplant. Vorrangiges Ziel ist es, Möglichkeiten zu erörtern, das aktuell ausgesprochene Fahrverbot aufzuheben und eine Zertifizierung, möglicherweise auch eingeschränkt, zu erreichen, betonte der Verein. Dabei stehe insbesondere die Sicherheit im Vordergrund.

Historischer Hintergrund und Bauweise

Der mehr als 30 Meter lange Nachbau der sogenannten Poeler Kogge ist aus Kiefernholz gefertigt und kann sowohl segeln als auch mit einem Motor als Hilfsantrieb fahren. Normalerweise gastiert die Kogge regelmäßig bei Veranstaltungen wie der Hanse Sail in Rostock oder lädt von Wismar aus zu Törns ein. Grundlage für den Nachbau war ein in den 1990er Jahren in der Wismarbucht entdecktes Wrack.

Lange Zeit ging man davon aus, dass es sich um einen speziell für die Ostsee konzipierten Koggen-Typ aus dem 14. Jahrhundert handelt. Nach Angaben des Landesarchäologen Detlef Jantzen ist dies jedoch nicht mehr der aktuelle Kenntnisstand. Inzwischen wird angenommen, dass das gefundene Wrack von einem Schiff aus den 1770er Jahren stammt. Unabhängig davon wurden beim Bau der „Wissemara“ mittelalterliche Schiffsbaumethoden angewandt, was dem Schiff seinen historischen Charakter verleiht.

Die Zukunft der Kogge bleibt ungewiss, während der Förderverein weiterhin nach praktikablen Lösungen sucht, um das maritime Kulturgut zu erhalten.

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