Der überraschend starke Rückgang der US-Inflation hat den technologielastigen Indizes an der Wall Street Auftrieb gegeben. Der S&P-500-Index stieg am Montag um 0,3 Prozent auf 7538 Punkte, der Nasdaq gewann knapp ein Prozent auf 26.099 Zähler. Der Dow-Jones-Index fiel dagegen um 0,3 Prozent auf 52.385 Stellen, belastet von uneinheitlichen Konzernbilanzen.
US-Inflation sinkt auf 3,5 Prozent
Die US-Verbraucherpreise stiegen im Juni nur um 3,5 Prozent zum Vorjahresmonat, während Volkswirte mit 3,8 Prozent gerechnet hatten. Im Mai lag die Teuerungsrate noch bei 4,2 Prozent. „Die Zahlen deuten darauf hin, dass der durch den Iran-Krieg ausgelöste Inflationsschub nachlässt“, sagte Skyler Weinand, Chefanleger bei Regan Capital. Er warnte jedoch, dass dies nur eine vorübergehende Entlastung sein könnte, da sich die Spannungen im Nahen Osten zuletzt verschärft haben. Auch die Hoffnung auf eine Zinspause der US-Notenbank Fed dämpfte er: „Wir erinnern Anleger daran, dass bisher fast jede Äußerung von Notenbankchef Kevin Warsh während seiner kurzen Amtszeit falkenhaft war.“
Fed hält an Zwei-Prozent-Ziel fest
Bei einer Anhörung im Kongress am Dienstag betonte Warsh, die Fed dulde keine dauerhaft erhöhte Inflation. Die Zentralbank werde dafür sorgen, dass der Inflationsschub der letzten fünf Jahre der Vergangenheit angehöre. Die Fed versucht mit erhöhten Zinsen, die Teuerungsrate auf den Zielwert von zwei Prozent zu drücken.
Ölpreise steigen wegen Straße von Hormus
Das Tauziehen um die für Energietransporte wichtige Straße von Hormus trieb die Ölpreise weiter nach oben. Die Nordsee-Rohölsorte Brent und US-Leichtöl WTI verteuerten sich um jeweils rund zwei Prozent auf 84,94 und 79,31 Dollar je Fass (159 Liter). Damit lagen die Preise so hoch wie seit rund einem Monat nicht mehr. „Jede neue Schlagzeile erhöht die Nervosität und macht die wichtigste Ölroute der Welt wieder zum entscheidenden Risikofaktor für die Finanzmärkte“, sagte Jürgen Molnar, Stratege beim Broker RoboMarkets.
USA greifen Iran erneut an
Die USA haben in der Nacht zum Dienstag zum dritten Mal in Folge Ziele im Iran angegriffen und damit den Konflikt am Persischen Golf wieder erheblich verschärft. Schifffahrtsdaten zeigten, dass die Zahl der Tanker, die die Straße von Hormus passieren, auf den niedrigsten Stand seit zwei Monaten gesunken ist. US-Präsident Donald Trump setzte eine Blockade des iranischen Schiffsverkehrs wieder in Kraft und kündigte zunächst eine Gebühr von 20 Prozent für die Bewachung von Schiffen an, die diese Meerenge durchqueren. Später rückte er davon wieder ab.
Bankaktien uneinheitlich
Börsianer versuchten, uneinheitlich ausgefallene Finanzberichte wichtiger US-Banken zu interpretieren. Goldman Sachs, JP Morgan und Bank of America konnten mit den Zahlen bei Anlegern punkten: Die Aktien legten nach der Veröffentlichung um rund zwei bis 7,5 Prozent zu. Um 4,4 Prozent nach unten ging es hingegen für Citigroup.
IBM bricht um fast 25 Prozent ein
Bei den anderen Einzelwerten sorgte IBM mit einem Kurseinbruch um fast 25 Prozent für Aufsehen. Ein massiver Investitionsschwenk der Kunden hin zu Künstlicher Intelligenz (KI) hat dem IT-Dienstleister überraschend schwache Quartalszahlen eingebrockt. Andere IT-Spezialisten wie ServiceNow und Workday verloren in IBMs Sog rund 3,5 und 2,5 Prozent.
Biogen und Boeing
Auch die jüngsten Studienergebnisse zum experimentellen Alzheimer-Medikament von Biogen haben die Anleger nicht überzeugt. Die Titel des Biotechkonzerns rutschten um acht Prozent ab. Das Mittel mit dem Namen Diranersen habe das Hauptziel einer Studie verfehlt, teilte Biogen mit. Anleger griffen hingegen bei Boeing zu, was die Aktien um knapp zwei Prozent ins Plus hievte. Der Flugzeugbauer hat im ersten Halbjahr so viele Verkehrsflugzeuge ausgeliefert wie seit 2018 nicht mehr.



