Olympia-Beauftragter Niroomand: Berliner Bewerbung bleibt trotz Wegner-Rückzug chancenreich
Olympia-Beauftragter: Berliner Bewerbung bleibt chancenreich

Berlins Olympia-Beauftragter Kaweh Niroomand zeigt sich trotz des überraschenden Rückzugs von Regierendem Bürgermeister Kai Wegner (CDU) zuversichtlich, dass die Hauptstadt weiterhin realistische Chancen auf die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele hat. In einem Interview mit dem Tagesspiegel betonte Niroomand, die Bewerbung sei längst auf eine breite Basis aus Sport, Politik und Stadtgesellschaft gestellt und nicht von einer einzelnen Person abhängig.

Wegners Rückzug: Verlust eines wichtigen Fürsprechers

Niroomand räumte ein, dass der Rückzug Wegners eine Rolle spiele. „Kai Wegner hat in zahlreichen Gesprächen ein enges Vertrauensverhältnis zu den Verantwortlichen des DOSB und den Spitzenverbänden aufgebaut. Solche Beziehungen basieren auf persönlichem Austausch und gegenseitigem Vertrauen, lassen sich also nicht kurzfristig ersetzen“, sagte er. Mit seiner großen Begeisterung für den Sport und seiner klaren Unterstützung einer Berliner Olympiabewerbung sei Wegner ein wichtiger Fürsprecher gewesen. Dennoch sei das Projekt breiter aufgestellt und werde von vielen Akteuren getragen.

Auf die Frage, ob er bereits mit Wegner gesprochen habe, verneinte Niroomand. Im Moment stünden für Wegner und sein Umfeld die Neuordnung in der Partei und in der Senatskanzlei im Vordergrund. Niroomand geht jedoch fest davon aus, dass sich an Wegners Haltung zur Olympiabewerbung nichts geändert hat: „Er hat dieses Projekt von Anfang an mit großem Engagement mit auf den Weg gebracht. Deshalb bin ich überzeugt, dass wir bis zur Entscheidung des DOSB am 26. September weiterhin auf seine volle Unterstützung zählen können.“

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Breite Basis als Schlüssel zum Erfolg

Sollte Wegner ausfallen, betont Niroomand, dass ein Vorhaben dieser Größenordnung nicht von einer einzelnen Person abhängig sein dürfe. „Wir sprechen über ein Projekt, das – je nach Austragungsjahr – einen Zeithorizont von zehn bis achtzehn Jahren hat. In dieser Zeit werden noch mehrere Landesregierungen die Verantwortung tragen. Entscheidend ist deshalb, dass die Bewerbung auf einer breiten politischen und gesellschaftlichen Basis steht – und genau daran arbeiten wir.“

Niroomand sieht die Chancen Berlins als gut an. „Für unser Konzept, unsere Glaubwürdigkeit und die Art, wie wir die Bewerbung bislang entwickelt und kommuniziert haben, haben wir viel Anerkennung erhalten. Entscheidend wird nun sein, dass Berlin politische Stabilität und Verlässlichkeit ausstrahlt.“

Der neue CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers, der als entschiedener Olympia-Befürworter gilt, spiele dabei eine wichtige Rolle. „Stefan Evers hat sich auch bislang schon – oft meist im Hintergrund – intensiv für eine Berliner Olympiabewerbung eingesetzt. Ich bin überzeugt, dass er dieses Engagement nun auch in seiner neuen Rolle sichtbar fortsetzen wird“, so Niroomand. Gleichzeitig betonte er, dass eine Olympiabewerbung nur erfolgreich sein könne, wenn sie über Parteigrenzen hinweg getragen werde.

Kritik der Gegner und Umfragen

Auf die Kritik von Klara Schedlich (Grüne), die erklärte, der DOSB werde sich „niemals für Berlin in diesem Chaos entscheiden“, entgegnete Niroomand: „Wer politische Verantwortung für Berlin übernehmen möchte, sollte alles daransetzen, das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit unserer Stadt zu stärken – und nicht den Eindruck vermitteln, Berlin sei grundsätzlich nicht in der Lage, ein solches Projekt zu stemmen.“

Umfragen zeigten, dass eine Mehrheit der Berliner einer Olympiabewerbung offen gegenüberstehe – auch unter den Wählern der Grünen. Niroomand wünscht sich eine Debatte mit Zuversicht und auf Grundlage der Fakten. „Am Ende geht es nicht um parteipolitische Profilierung, sondern um die Zukunftschancen unserer Stadt.“

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Zu den Umfragen, die München vor Berlin sehen, sagte Niroomand: „Man muss diese Umfrage genau lesen. Diese bewertet nicht die Qualität des jeweiligen Bewerbungskonzepts, sondern die Einschätzung der Menschen, welche Stadt derzeit die besseren Chancen hat.“ Berlin bringe starke Voraussetzungen mit: das größte Nahverkehrsnetz in Deutschland, die höchste Hotelkapazität und eine touristische Infrastruktur, die international erprobt sei. Zudem wolle man – bis auf eine Ausnahme – ausschließlich bestehende Sportstätten nutzen. „Genau dieser nachhaltige Ansatz entspricht den Anforderungen und der heutigen Philosophie des IOC.“

DOSB-Entscheidung und Ausblick

Niroomand räumte ein, dass der DOSB den Wegner-Rückzug zur Kenntnis genommen haben werde. Er habe jedoch seit der Erklärung keine Gelegenheit zu einem persönlichen Gespräch gehabt. „Wir haben in den vergangenen Monaten eine breite Vertrauensbasis aufgebaut. Viele Spitzenverbände unterstützen unsere Bewerbung, weil wir von Anfang an den Dialog mit den Verantwortlichen gesucht und ihre Anliegen ernst genommen haben. Diese breite Unterstützung ist ein starkes Fundament – und dies unabhängig von einzelnen politischen Entwicklungen.“

Der Zeitpunkt sei herausfordernd: Am 20. September wird gewählt, am 26. September entscheidet der DOSB. Der Wahlausgang galt bereits zuvor als Risiko. Niroomand bleibt jedoch zuversichtlich: „Ich bleibe zuversichtlich, weil wir unsere Hausaufgaben gemacht haben. Unser Konzept ist überzeugend. Damit haben wir viel Vertrauen und eine breite Unterstützung im organisierten Sport gewonnen.“ Er hoffe, dass sich die sachlichen Argumente durchsetzen.

Am Mittwoch stellt Niroomand das Feinkonzept für die Berliner Bewerbung am THF Tower am Flughafen Tempelhof vor. Er geht mit einem sehr guten Gefühl in diese Veranstaltung. „Als wir die ersten Dialogveranstaltungen geplant haben, waren wir uns nicht sicher, wie groß das Interesse sein würde. Tatsächlich war die Resonanz deutlich höher, als wir erwartet hatten. Das zeigt mir, dass viele Berlinerinnen und Berliner sich ernsthaft mit der Bewerbung auseinandersetzen und ihre Ideen einbringen wollen.“

Auf die Frage, ob die Bewerbung nach dem Wegner-Rückzug aufgegeben werden sollte, antwortete Niroomand klar: „Nein, ganz im Gegenteil. Gerade jetzt wäre es falsch, die Bewerbung infrage zu stellen. Denn man darf nicht vergessen: Wir konkurrieren in diesem Schritt nicht mit internationalen Metropolen, sondern mit einer anderen deutschen Stadt. Wenn Berlin in diesem Wettbewerb unterliegt, bedeutet das, dass sich in den kommenden Jahrzehnten ein erheblicher Teil der nationalen Aufmerksamkeit, der politischen Prioritäten sowie der Investitionen für Infrastruktur, Wirtschaft, Kultur, Sport und Innovation auf einen anderen Standort konzentrieren werden.“ Olympische Spiele seien ein Katalysator für die gesamte Stadtentwicklung. „Aus meiner Sicht kann und darf Berlin auf diese Chance nicht verzichten.“