Die US-Blockade gegen iranische Häfen in der Straße von Hormus ist nach Angaben des US-Militärs wieder in Kraft. Sie habe um 16 Uhr US-Ostküstenzeit (22 Uhr MESZ) begonnen, teilte das für den Nahen Osten zuständige Regionalkommando am Dienstag auf der Plattform X mit. „Derzeit sind mehr als 20 Kriegsschiffe der US-Marine und Hunderte von Militärflugzeugen im gesamten Nahen Osten im Einsatz.“
Hintergrund der Blockade
Die USA hatten die Blockade erstmals Mitte April verhängt und sie dann Mitte Juni, einen Tag nach der Unterzeichnung des vorläufigen Rahmenabkommens, das auf eine dauerhafte Beendigung des Krieges abzielte, wieder aufgehoben. Das Abkommen sah eine Frist von 60 Tagen vor, um auch eine Einigung über das iranische Atomprogramm auszuhandeln, doch die Gespräche sind ins Stocken geraten und der Konflikt um die Meerenge hat sich verschärft. US-Präsident Donald Trump kündigte daraufhin am Montag eine Wiederaufnahme der Blockade an.
Iran droht mit Öl- und Erdgas-Blockade
Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) drohen mit einer Blockade sämtlicher Energieexporte aus der Region. Solange die „bösartigen Handlungen“ der USA andauerten, werde „kein einziger Tropfen Öl und Gas“ aus der Region exportiert werden, melden iranische Staatsmedien. Die „Aggressionen“ der USA würden die Wiedereröffnung der Straße von Hormus verzögern, heißt es weiter. Iranische Angriffe auf US-Einrichtungen in Kuwait und Bahrain seien Reaktionen auf US-Angriffe auf den Iran.
Irans Vize-Außenminister Kasem Gharibabadi bezeichnet die Hoheit über die Straße von Hormus als Teil der nationalen Sicherheit des Landes. Der Iran werde die Souveränität darüber um jeden Preis ausüben, sagt er in einem Interview des staatlichen Fernsehens. Der Iran habe keine Verpflichtungen im Zusammenhang mit der mit den USA unterzeichneten Islamabad-Absichtserklärung.
Neue US-Angriffe auf den Iran
Das US-Militär hat seine Angriffe auf den Iran US-Kreisen zufolge auch an diesem Dienstag fortgesetzt. Die Streitkräfte hätten dabei einige militärische Ziele in dem Land ins Visier genommen, „um aufkommende Bedrohungen zu beseitigen“, teilte ein US-Beamter der Deutschen Presse-Agentur mit. Konkrete Angaben dazu – etwa zur Dauer der Angriffe und ob diese noch laufen oder bereits beendet sind – machte er nicht. Der Sender ABC News berichtete am frühen Nachmittag (US-Ortsküstenzeit) unter Berufung auf einen US-Beamten, dass US-Streitkräfte derzeit Luftangriffe im Iran durchführten. Demnach sind die Angriffe bereits seit einigen Stunden im Gange.
Trump rückt von Hormus-Gebühr ab
US-Präsident Donald Trump rückt von seiner gestern angekündigten Gebühr von 20 Prozent für Schiffspassagen durch die Straße von Hormus ab. Nach „sehr produktiven Gesprächen“ mit den Führungsspitzen im Nahen Osten habe er beschlossen, die Abgabe durch Handels- und Investitionsabkommen zu ersetzen, die die Golfstaaten mit den USA schließen würden, teilt Trump auf seiner Plattform Truth Social mit. Mit den Einnahmen daraus sollten die USA nach seinen ursprünglichen Angaben ihre Kosten für die Sicherheit in der Meerenge decken.
Angriffe auf Tanker und Schiffe
Ein Tanker ist beim Verlassen der Straße von Hormus auf der südlichen Route von einer Rakete getroffen worden. Der Angriff habe sich am Montag rund 13 Seemeilen südöstlich der omanischen Ortschaft Limah ereignet, meldet die britische Informationsstelle für den Seehandel (UKMTO). Erneut ist ein Tanker vor der Küste des Omans angegriffen worden. Am Chemikalien- und Öltanker „Stolt Magnesium“ habe sich in der Nacht eine Explosion ereignet, die von einem „nicht identifizierten externen Mittel“ verursacht worden sei, teilte der Mutterkonzern Stolt-Nielsen der Reederei in den Niederlanden mit. Durch die Explosion sei im Maschinenraum ein Feuer ausgebrochen. Die Besatzung sei sicher und habe begonnen, den Brand zu löschen.
Der Iran hat nach Angaben der Vereinigten Arabischen Emirate zwei Tanker des mit den USA verbündeten Golfstaats in der Straße von Hormus angegriffen. Wie das Verteidigungsministerium der Emirate in der Nacht auf der Plattform X bekanntgab, wurden die Schiffe bei der Durchquerung auf der südlichen Schifffahrtsroute innerhalb der omanischen Hoheitsgewässer von zwei Marschflugkörpern getroffen. Dabei sei ein indisches Besatzungsmitglied getötet worden, zudem seien acht verletzt worden, vier davon schwer. Bei den Verletzten handele es sich um sechs indische und zwei ukrainische Staatsangehörige, hieß es weiter. Zudem seien Brände auf beiden Tankern ausgebrochen, schließlich aber unter Kontrolle gebracht worden. Der Angriff stelle einen „schwerwiegenden Verstoß und klaren Bruch des Völkerrechts“ dar, erklärte das Verteidigungsministerium. Die Emirate behielten sich vor, auf diese Eskalation zu reagieren.
Kuwait: Vier Soldaten bei iranischem Angriff verletzt
Kuwaits Armee meldet vier verletzte Soldaten bei einem Angriff auf eines ihrer Marineschiffe. Das Militär macht den Iran für die Attacke verantwortlich. Die Streitkräfte hätten zudem eine ballistische Rakete, fünf Marschflugkörper und 33 Drohnen abgefangen, heißt es in einer Mitteilung weiter. Die Angriffe hätten sich gegen zivile und strategisch wichtige Einrichtungen gerichtet. Das Militär von Kuwait hat einen Luftangriff gemeldet. Die Flugabwehr sei aktiv, hieß es in einer Mitteilung vom Dienstag. Zunächst gab es keine Berichte über Tote, Verletzte oder Schäden.
Reaktionen und Auswirkungen
Der Verband Deutscher Reeder (VDR) warnt vor den Folgen einer neuen Blockade in der Straße von Hormus und den Gebührenplänen von US-Präsident Donald Trump. „Die erneute Eskalation ist äußerst besorgniserregend“, sagt VDR-Hauptgeschäftsführer Martin Kröger der „WirtschaftsWoche“ laut Vorabbericht. „Nach den Hoffnungen auf eine schrittweise Normalisierung erleben wir nun einen deutlichen Rückschlag.“ Betroffen seien rund 20 Schiffe in deutschem Eigentum oder unter deutschem Management. Sie seien derzeit mit etwa 400 Seeleuten in der Region unterwegs. In Trumps jüngstem Vorstoß sieht der VDR einen Verstoß gegen das Seerecht. „Kein einzelner Staat sollte den freien Zugang zu einer internationalen Wasserstraße einseitig von Gebühren abhängig machen.“ Ein solcher Schritt würde die freie Schifffahrt infrage stellen. „Heute geht es um die Straße von Hormus, morgen um die Straße von Malakka, übermorgen um die nächste internationale Meerenge. Wo soll das enden?“
Indien protestiert nach der Tötung eines indischen Seemanns in der Straße von Hormus scharf bei der iranischen Regierung. Das Außenministerium in Neu-Delhi bestellt dazu den stellvertretenden iranischen Botschafter ein, wie das Ministerium mitteilt. Das Opfer gehörte zu den 46 Besatzungsmitgliedern zweier Schiffe, die in der Meerenge angegriffen wurden. Zehn weitere seiner Landsleute wurden verletzt, zwei davon schwer. Indien zeigt sich „zutiefst besorgt“ und fordert ein Ende der Angriffe auf die Handelsschifffahrt.
Weitere Entwicklungen
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu droht dem Iran im Falle eines Angriffs mit großer Härte. Israel sei auf jedes Szenario vorbereitet, sagte Netanjahu laut Regierungspresseamt. Die Führung in Teheran solle nicht damit rechnen, dass es nach einem Angriff ruhig bleibe. „Die Zeiten, in denen uns jemand Schaden zufügt und wir nicht doppelt zurückschlagen, sind vorbei“, sagte Netanjahu. Der Iran müsse mit einer viel stärkeren Reaktion rechnen. US-Präsident Donald Trump hat den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu dem Nachrichtenportal Axios zufolge zum Abzug der israelischen Truppen aus Syrien und dem Libanon aufgefordert. Trump habe dies in einem Telefonat am vergangenen Donnerstag gesagt, berichtet das Portal unter Berufung auf US- und israelische Regierungsvertreter. Das israelische Sicherheitskabinett billigt nach Angaben von Finanzminister Bezalel Smotrich ein Budget von 1,3 Milliarden Schekel (379 Millionen Euro) für den Bau von 34 neuen Siedlungen im besetzten Westjordanland. Weitere 1,1 Milliarden Schekel seien für den Bau von Straßen zu den neuen Orten vorgesehen, teilt der rechtsgerichtete Politiker mit. Damit werde die Sicherheit Israels gestärkt und die Aussicht auf die „Errichtung eines Terrorstaates im Herzen des Landes“ zunichtegemacht, erklärt Smotrich.
Libanon und Israel haben am Dienstag in Rom Verhandlungen über einen Abzug der israelischen Truppen aus dem Südlibanon aufgenommen. Bei den zweitägigen Gesprächen in der US-Botschaft solle die Umsetzung eines von den USA vermittelten Rahmenabkommens erörtert werden, sagten libanesische Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters. Die Erwartungen auf rasche Fortschritte seien jedoch gering. Die iranischen Revolutionsgarden haben nach eigenen Angaben einen US-Luftwaffenstützpunkt in Jordanien mit ballistischen Raketen angegriffen. In einer von der Nachrichtenagentur Fars veröffentlichten Erklärung ruft die militärische Eliteeinheit die jordanische Bevölkerung dazu auf, die US-Militärbasen in ihrem Land niederzureißen. Zugleich betonen die Revolutionsgarden die Verbindung mit dem Land: Die Revolutionsgarden hegten keine Feindschaft gegen Jordanien, heißt es in der Mitteilung weiter. Vielmehr liebe man das jordanische Volk, „das den Schmerz und die Unterdrückung der Palästinenser besser als jede andere Nation“ verstehe.



