Opels ambitionierter Doppelschritt im Sportmarketing
Zur kommenden Saison vollzieht Opel einen bemerkenswerten Doppelschritt im Sportmarketing. Der Rüsselsheimer Autobauer steigt mit einem Werksteam in die Formel E ein und wird gleichzeitig ab der nächsten Spielzeit Namenssponsor der Handball-Bundesliga der Männer (HBL). Diese gilt als beste Handball-Liga der Welt und beheimatet zahlreiche Stars, die im Januar 2027 an der in Deutschland ausgetragenen Handball-Weltmeisterschaft teilnehmen werden.
Strategische Ausrichtung auf erhöhte Sichtbarkeit
Opel verfolgt mit diesen Engagements ein klares Ziel: durch gesteigerte Präsenz im Sportbereich Image und Wahrnehmbarkeit der Marke signifikant zu verbessern. Handball ist nach Fußball die beliebteste Mannschaftssportart in Deutschland und bietet damit eine breite Reichweite. Die Formel E hingegen kämpft noch um größere Aufmerksamkeit im deutschen Sportbewusstsein, was Opel als Chance für Pioniergeist nutzt.
Finanzielle Dimension des Formel-E-Engagements
Das Formel-E-Projekt ist mit erheblichen Investitionen verbunden. Opel hat sich für vier Jahre an die elektrische Rennserie gebunden, was Kosten von deutlich über 100 Millionen Euro verursacht. Der Saisonetat ist pro Jahr auf 14,5 Millionen Euro gedeckelt, dazu kommen über einen Zeitraum von je zwei Jahren weitere 25 Millionen Euro für Entwicklungskosten. Fahrergehälter sind in dieser Rechnung noch nicht enthalten – absolute Spitzenpiloten verdienen Gehälter im unteren Millionenbereich, während es bei anderen im sechsstelligen Bereich bleibt.
Ziele und Perspektiven für die Formel E
Formel-E-Chef Jeff Dodds bezeichnet den finanziellen Aufwand als „ein hervorragendes Investment“. Ein zentrales Anliegen von Opel-CEO Florian Huettl und Dodds ist die Sicherung eines attraktiven TV-Vertrags für den deutschen Markt ab der kommenden Saison. Derzeit laufen die Live-Übertragungen der Formel-E-Rennen im Nischensender DF1. Mit der Marktmacht von Opel und dem Engagement von Formel-E-Gigant Porsche soll für 2027 deutlich mehr Wahrnehmbarkeit erzielt werden.
Innovative Ansätze und Personalplanung
Huettl betont: „Wir denken definitiv, dass die Formel E eine größere Sichtbarkeit benötigt. Daran werden wir zusammen arbeiten.“ Ein möglicher Aufmerksamkeitsbringer könnte eine Pilotin am Steuer sein – Dodds bestätigt, dass dies ein Ziel sei, betont aber gleichzeitig, dass im Motorsport letztlich die Stoppuhr entscheide. Opel legt Wert auf einen hohen Frauenanteil im Team, priorisiert jedoch den Leistungsgedanken.
Die Planung des Rennteams liegt in den Händen von Opels Motorsportchef Jörg Schrott. Opel will das benötigte Wissen und Personal weitgehend aus eigenen Ressourcen generieren, könnte aber auch auf Spezialisten von Lola-Abt zurückgreifen, die nach dem Ausstieg des Teams aus der Formel E verfügbar werden. Der Test des neuen E-Renners ist für den 21. und 22. April auf der Rennstrecke Paul Ricard in Südfrankreich geplant.
Historischer Kontext und Markenimage
Bis 2022 war Jürgen Klopp Markenbotschafter für Opel. Der charismatische Erfolgscoach, bekannt durch seine Triumphe mit dem FSV Mainz 05, Borussia Dortmund und dem FC Liverpool, verkörperte Eigenschaften wie Dynamik, Mut und Bodenständigkeit. Diese Klopp-Eigenschaften sollten auch auf Opel abfärben – ein Ansatz, der nun durch die sportlichen Engagements fortgeführt wird.
Insgesamt zeigt Opels Doppelstrategie eine durchdachte Herangehensweise, die sowohl auf Breitenwirkung (Handball) als auch auf innovative Pionierarbeit (Formel E) setzt. Mit Investitionen im dreistelligen Millionenbereich und klaren Zielen für Sichtbarkeit und Imageaufbau positioniert sich der Autobauer strategisch für die Zukunft.



