Die Deko-Kette Depot muss ihren Sparkurs drastisch verschärfen. Wie die „Lebensmittel Zeitung“ (LZ) berichtet, sollen künftig nur noch 50 der aktuell 155 Filialen das Depot-Logo tragen. Das entspricht einer Reduzierung um 105 Standorte – und bedeutet, dass nur noch rund ein Drittel des bisherigen Filialnetzes erhalten bleibt. Erst Ende Juni war noch von 66 Schließungen die Rede gewesen, nun sind es offenbar 105.
Der Geschäftsführer und Gründerenkel Christian Gries hat die Belegschaft laut LZ per interner Botschaft informiert, dass ab dem 1. August hunderte Mitarbeiter freigestellt werden. Die Entwicklung gleicht einem totalen Absturz in mehreren Akten: Schon 2024 musste die Kette einen Insolvenzantrag stellen, nun folgt der nächste.
330 Beschäftigte müssen gehen
Die Freistellungen betreffen nach LZ-Informationen insgesamt 330 Personen. Das sind 220 Filialmitarbeiter und 110 Beschäftigte aus der Zentrale sowie dem Außendienst. Bezogen auf die insgesamt rund 1200 Mitarbeiter bedeutet das: Mehr als ein Viertel der Belegschaft wird freigestellt – rechnerisch 27,5 Prozent. Die betroffenen Mitarbeiter erhalten nur noch ihr Juli-Gehalt, und zwar über das Insolvenzgeld. Wie es für sie nach dem 31. Juli weitergeht, ist offen.
Eigenverwaltung und Sachwalter involviert
Das Filialgeschäft von Depot wird von der GDC Deutschland GmbH betrieben, die ihren Sitz in Großostheim bei Aschaffenburg in Bayern hat. Bei dem Unternehmen läuft derzeit ein vorläufiges Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Das bedeutet: Die Geschäftsführung bleibt zunächst an Bord, arbeitet aber unter Aufsicht eines Sachwalters. Das reguläre Insolvenzverfahren soll am 1. August eröffnet werden. Auf eine Anfrage von BILD reagierte Geschäftsführer Christian Gries nicht; auch Sachwalter Thomas Rittmeister wollte sich nicht äußern.
Zweite Pleite: Die Vorgeschichte
Für Depot ist es bereits das zweite Insolvenzverfahren innerhalb kurzer Zeit. Im Mai dieses Jahres hatte das Unternehmen beim Amtsgericht Aschaffenburg einen neuen Insolvenzantrag eingereicht. Ende Juni war angekündigt worden, dass 66 Filialen dichtmachen müssen – doch nun sind es offenbar 105. Schon 2024 war die Kette in ein Insolvenzverfahren gegangen, das mit der Schließung von 250 Läden und der Kündigung von 2000 Mitarbeitern in ganz Deutschland endete. Die jetzigen Maßnahmen kommen einem zweiten Aderlass gleich.
Ursachen: Zölle, Asien-Plattformen und Kaufzurückhaltung
Die Gründe für die erneute Schieflage benennt die LZ klar: gestiegene Importzölle machen die Ware für das Unternehmen teurer, während asiatische Handelsplattformen mit deutlich günstigeren Angeboten Marktanteile erobern. Zudem halten sich die Verbraucher beim Einkauf im stationären Einzelhandel zurück. Zusammen führe das dazu, dass das Geld nicht mehr ausreicht, um die Gehälter aller 1200 Mitarbeiter zu zahlen. Die Schließungen betreffen Standorte in ganz Deutschland – darunter die Filiale in den Riem Arcaden in München und die Filiale in Bielefeld.
Was bleibt, sind 50 Filialen, die die Marke Depot in die Zukunft führen sollen. Ob das gelingt, hängt auch von der weiteren Entwicklung des Konsumklimas ab. Bis zum 1. August, wenn das reguläre Insolvenzverfahren startet, müssen sich die Mitarbeiter auf weitere Entscheidungen gefasst machen. Für die betroffenen Kolleginnen und Kollegen in den geschlossenen Häusern beginnt die Suche nach einer neuen beruflichen Perspektive.



