Gewalt an Bahnhöfen: Gemischte Bilanz mit Lichtblicken
Die Sicherheit an Bahnhöfen und in Zügen bleibt ein zentrales und kontrovers diskutiertes Thema in Deutschland. Aktuelle Zahlen der Bundespolizei zeigen eine differenzierte Entwicklung: Während an einigen Knotenpunkten die Gewalt zunimmt, gibt es auch erfreuliche Rückgänge.
Hannover verzeichnet deutlichen Rückgang
Am Hauptbahnhof Hannover ist die Zahl der Gewaltdelikte im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr signifikant gesunken. Laut den vorliegenden Daten der Bundespolizei verringerte sich die Anzahl von 715 auf 612 Fälle. Diese Informationen zu den zehn Bahnhöfen mit den bundesweit meisten Gewaltdelikten liegen der Deutschen Presse-Agentur vor und wurden zuerst von der „Bild am Sonntag“ berichtet. Gesamtzahlen für alle deutschen Bahnhöfe im Jahr 2025 wurden von der Bundespolizei nicht veröffentlicht.
Leipzig an der Spitze, Dortmund auf Platz zwei
Der Leipziger Hauptbahnhof nimmt in der aktuellen Auswertung den unrühmlichen Spitzenplatz ein. Hier zählte die Bundespolizei im vergangenen Jahr 859 Gewaltdelikte. Bemerkenswert ist, dass dieser Bahnhof im Jahr 2024 nicht unter den fünf Stationen mit den meisten Vorfällen war. Auf dem zweiten Platz steht wie bereits im Vorjahr der Dortmunder Hauptbahnhof mit 735 registrierten Gewaltdelikten.
Positive Entwicklungen in Berlin und Köln
Hinter Dortmund folgt der Berliner Hauptbahnhof, wo sich die Situation im Vergleich zu 2024 verbessert hat. Die Bundespolizei zählte hier im vergangenen Jahr 654 Gewaltdelikte, nach 764 im Vorjahr. Auch in Köln ging die Zahl von 703 auf 648 Fälle zurück. Die Vergleichszahlen für das Jahr 2024 stammen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der AfD-Fraktion.
Sofortprogramm für mehr Sicherheit an Bahnhöfen
Auf Wunsch von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hat die Deutsche Bahn im Januar ein sogenanntes Sofortprogramm für mehr Sicherheit und Sauberkeit speziell an Bahnhöfen gestartet. Im Rahmen dieses Programms plant die Bahn, an 25 ausgewählten Stationen zusätzliche Sicherheitskräfte einzusetzen. Zudem arbeitet der Konzern nach eigenen Angaben mit der Bundespolizei daran, weitere Bahnhöfe mit moderner Kamera- und Videotechnik auszustatten.
Interessant ist die Auswahl der Bahnhöfe: Zu den 25 Stationen des Programms gehören auch vier der fünf Bahnhöfe mit den meisten Gewaltdelikten im Jahr 2025 – die Hauptbahnhöfe in Leipzig, Berlin, Köln und Hannover. Der Dortmunder Hauptbahnhof, der auf Platz zwei der Negativliste steht, ist hingegen nicht in dieser Liste enthalten. Dies wirft Fragen zur Priorisierung und Strategie des Sicherheitsprogramms auf.
Insgesamt zeigt die Entwicklung, dass die Sicherheitslage an deutschen Bahnhöfen weiterhin sehr heterogen ist. Während punktuelle Maßnahmen an einigen Orten Erfolge zeigen, bleibt die Gewaltprävention an Verkehrsknotenpunkten eine dauerhafte Herausforderung für Behörden und Bahnbetreiber.



