Ministerpräsident Schweitzer fordert einheitliches Deutschlandticket mit Passfoto
In der Debatte um mehr Sicherheit für Zugpersonal in deutschen Zügen hat der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Alexander Schweitzer (SPD), konkrete Vorschläge vorgelegt. Er fordert ein optisch einheitliches Deutschlandticket mit integriertem Lichtbild, um die Arbeit der Zugbegleiter zu erleichtern und Gewaltvorfälle zu reduzieren.
Vereinfachung der Kontrollen als zentrales Anliegen
Schweitzer betonte in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin", dass Kollegen des kürzlich in Rheinland-Pfalz zu Tode geprügelten Zugbegleiters ihm im persönlichen Gespräch geschildert hätten, wie aufwendig die derzeitigen Kontrollen seien. "Wir haben ganz viele Deutschlandtickets, die unterschiedlich aussehen, und ganz oft müssen die Zugbegleiter dann nach dem Personalausweis oder dem Reisepass fragen", so der Ministerpräsident. Ein einheitliches Ticket mit Foto würde diese zusätzliche Prüfung überflüssig machen und den Arbeitsablauf deutlich beschleunigen.
Die Umsetzung dieses Vorschlags sei technisch und finanziell machbar: "Das kostet nicht viel Geld, das können wir ganz schnell machen", erklärte Schweitzer. Er kündigte an, das Thema bereits auf der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz am 5. März, die er selbst leitet, auf die Tagesordnung zu setzen, um die Debatte voranzutreiben.
Weitere Maßnahmen für mehr Sicherheit im Bahnverkehr
Neben dem einheitlichen Ticket nannte Schweitzer weitere dringend notwendige Schritte:
- Mehr Personalpräsenz durch Doppelbesetzungen von Zügen
- Einführung von Bodycams für Zugbegleiter
- Schnelles Handeln, um weitere Gewalttaten zu verhindern
Der tragische Vorfall Anfang Februar, bei dem ein 36-jähriger Zugbegleiter nach einem Angriff durch einen fahrkartenlosen Fahrgast tödliche Kopfverletzungen erlitt und später starb, hat die Dringlichkeit dieser Maßnahmen unterstrichen. Der mutmaßliche Angreifer, ein 26-jähriger Grieche, sitzt in Untersuchungshaft.
Unterstützung aus der Bundespolitik
Auch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) äußerte sich zu möglichen Entlastungen für das Zugpersonal. "Wir haben festgestellt, dass die Identitätskontrollen Auslöser für erhebliche Grundaggressivität sind", sagte Schnieder dem "Handelsblatt". Seinen Schätzungen zufolge ließe sich die Gewalt um etwa 18 Prozent reduzieren, wenn auf regelmäßige Ausweiskontrollen verzichtet würde.
Als Alternativen nannte der Minister:
- Stichprobenkontrollen ähnlich wie in U- und S-Bahnen, die von größeren Teams durchgeführt werden
- Kontrollen bereits am Bahnsteig, wie es in anderen Ländern praktiziert wird
Die Deutsche Bahn hatte nach dem tödlichen Vorfall bereits Forderungen an die Länder gestellt, darunter mehr Personal und vereinfachte Kontrollen im Regionalverkehr. Die Diskussion um Bodycams wird jedoch von Datenschützern kritisch begleitet, die strenge Regeln für deren Einsatz fordern.
Die geplanten Maßnahmen zielen darauf ab, die Sicherheitssituation im Bahnverkehr nachhaltig zu verbessern und das Personal vor weiteren Übergriffen zu schützen. Die kommenden Wochen werden zeigen, wie schnell die vorgeschlagenen Veränderungen umgesetzt werden können.



