Zugbegleiter brauchen mehr als Bodycams: Das könnte ihnen wirklich helfen
Berlin • Nach dem tragischen Tod des Zugbegleiters Serkan C. haben Bahn-Chefin Palla und Verkehrsminister Schnieder erkannt, dass die Sicherheit des Zugpersonals dringend verbessert werden muss. Doch technische Lösungen wie Bodycams und Notrufknöpfe allein reichen nicht aus, um das Problem der zunehmenden Aggression im öffentlichen Raum zu lösen.
Doppelbesetzungen als effektive Schutzmaßnahme
Was den Schaffnern im Regionalverkehr tatsächlich helfen würde, sind Doppelbesetzungen bei Fahrkartenkontrollen. Diese Maßnahme würde nicht nur den Schutz in brenzligen Situationen erhöhen, sondern den Mitarbeitern auch mehr Selbstbewusstsein und ein besseres Gefühl bei der Arbeit geben. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 3000 Übergriffe auf Zugbegleiter registriert – das entspricht durchschnittlich mindestens acht Vorfällen pro Tag.
Die Umsetzung von Doppelbesetzungen kostet allerdings Geld, weshalb sich Vertreter von Bahn, Bund und Ländern zunächst auf technische Lösungen wie Bodycams für alle verständigt haben. Diese Geräte helfen vor allem bei der Strafverfolgung, können Straftaten aber nicht zuverlässig verhindern.
Gesellschaftliche Ursachen der Aggression
Wer Gewalt im öffentlichen Raum – auch gegen Rettungskräfte und Feuerwehrleute – wirksam unterbinden will, muss sich mit den tieferliegenden Ursachen beschäftigen. Dabei geht es nicht nur um fehlende Toleranz bei Fehlverhalten, sondern um das Fehlverhalten selbst. Diese Erkenntnis mag banal klingen, ist aber inzwischen keine Selbstverständlichkeit mehr in unserer Gesellschaft.
Problematisch ist nicht, dass die Umgangsformen generell verroht wären – nach wie vor finden sich freundliche und hilfsbereite Menschen in Zügen und Bussen. Die Herausforderung liegt vielmehr in der wachsenden Zahl von Personen, die keinen Anstand zeigen und stattdessen mit Aggression reagieren.
Eine gemeinsame Verantwortung
Die Lösung dieses Problems geht nicht nur Bahn-Chefin Palla und Verkehrspolitiker an, sondern jeden Einzelnen in der Gesellschaft. Es bräuchte eine neue Verständigung darüber, wie wir miteinander im öffentlichen Raum umgehen und welche Grenzen des Respekts nicht überschritten werden dürfen.
Erst wenn technische Maßnahmen wie Bodycams mit personellen Verbesserungen wie Doppelbesetzungen und einer gesellschaftlichen Debatte über Werte und Respekt kombiniert werden, können Zugbegleiter wirklich besser geschützt werden.



