Neue Protestwelle im Iran: Sprechchöre gegen das Regime erschallen
Knapp einen Monat nach der brutalen Niederschlagung von Massenprotesten im Januar rumort es erneut im Iran. In der Hauptstadt Teheran und anderen urbanen Zentren sollen in der Nacht zu Sonntag erneut regierungskritische Parolen von Balkonen und aus Wohnvierteln zu hören gewesen sein. Die Lage bleibt angespannt, während international der diplomatische Druck wächst.
„Tod Khamenei“ und „Lang lebe der Schah“ in Teheraner Vierteln
Besonders im östlichen Teheraner Viertel Ekbatan skandierten Menschen laut Berichten des Nutzers „Schahrak Ekbatan“ in Onlinediensten Parolen wie „Tod Khamenei“, „Tod der Islamischen Republik“ und „Lang lebe der Schah“. Der persischsprachige Sender Iran International, der aus dem Ausland berichtet, meldete ähnliche Aktionen in weiteren Teilen der Metropole. In verbreiteten Aufnahmen riefen Demonstranten: „Das ist die letzte Schlacht, Pahlavi kommt zurück“ – eine klare Anspielung auf den 1979 gestürzten Schah und seine Nachkommen – sowie „Tod den Garden“, womit die mächtigen Revolutionsgarden gemeint sind.
Nicht nur in der Hauptstadt brodelte die Unzufriedenheit. Dem Sender zufolge kam es auch in der südlichen Stadt Schiras und im zentral gelegenen Arak zu regierungskritischen Sprechchören. Die Nachrichtenagentur AFP konnte die kursierenden Videoaufnahmen zunächst nicht unabhängig verifizieren, doch die Meldungen deuten auf eine anhaltende Proteststimmung hin.
Weltweite Solidarität und der Sohn des Schahs als Galionsfigur
Die neuen Unmutsbekundungen im Iran folgten auf massive Solidaritätskundgebungen der iranischen Exilopposition in zahlreichen Städten weltweit. Allein in München nahmen am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz nach Polizeiangaben rund 250.000 Menschen an einer Demonstration teil. Hier trat Reza Pahlavi, der Sohn des letzten Schahs, auf und bekundete seinen Willen, den „Übergang zu einer säkularen, demokratischen Zukunft“ Irans anzuführen.
Weitere Großdemonstrationen fanden in Los Angeles, Washington und Toronto statt. Das Büro von Reza Pahlavi sprach von weltweit mehr als einer Million Teilnehmern, eine Zahl, die sich zunächst nicht verifizieren ließ. Diese internationale Mobilisierung scheint den Protestierenden im Iran neuen Mut gegeben zu haben.
Brutale Niederschlagung im Januar mit tausenden Opfern
Die aktuellen Ereignisse stehen im Schatten der gewaltsamen Proteste vom 8. und 9. Januar, die von den iranischen Behörden brutal niedergeschlagen wurden. Die in den USA ansässige Menschenrechtsorganisation Hrana bestätigte inzwischen mindestens 7.010 Todesopfer, die meisten von ihnen Demonstranten. Mehr als 53.845 Menschen wurden demnach festgenommen. Diese erschütternden Zahlen unterstreichen das hohe Risiko, das die Bevölkerung bei weiteren Protesten eingeht.
Gespannte diplomatische Lage: Atomgespräche und militärische Drohungen
Die innenpolitische Krise fällt mit einer äußerst angespannten außenpolitischen Situation zusammen. Für Dienstag sind in Genf neue Atomgespräche zwischen Iran und den USA geplant. Washington und Teheran hatten ihre indirekten Gespräche am 6. Februar wieder aufgenommen, doch die Positionen liegen weit auseinander. Während Teheran ausschließlich über sein Atomprogramm und die Aussetzung von Sanktionen verhandeln will, pochen die USA und Israel auch auf Verhandlungen über das iranische Raketenprogramm sowie Teherans Unterstützung für Milizen im Nahen Osten, darunter die Hisbollah im Libanon und die Hamas im Gazastreifen.
US-Präsident Donald Trump erhöht den Druck zusätzlich durch militärische Signale. Er drohte Teheran mit einem Militäreinsatz, sollte es nicht zu einer Einigung im Atomstreit kommen, und entsandte einen zweiten Flugzeugträger in die Region. Diese Eskalation macht die Gespräche in Genf zu einer hochriskanten Angelegenheit.
Die Kombination aus anhaltenden innenpolitischen Protesten, internationaler Solidaritätsbewegung und gespannten diplomatischen Verhandlungen zeichnet das Bild eines Landes am Scheideweg. Ob die Sprechchöre in Teheran der Beginn einer neuen, nachhaltigen Protestwelle sind oder ob sie erneut brutal erstickt werden, bleibt abzuwarten. Die Augen der Welt sind auf den Iran gerichtet.



